SOOKI

DOPPELBLICK



Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Doppelblick" am 12. 6. 2011 von Matthias Koeppel

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Frohe Pfingsten wünsche ich uns allen, und ich hoffe, dass unsere "doppelt geblickten" Bilder zum pfingstlichen Frohsinn beitragen können. Zunächst einmal herzlichen Dank an das Kunstamt Spandau, das diese Ausstellung ermöglicht hat.
      Dank also an Frau Theissen und ganz speziell an Herrn Melzer, der mit einfühlsamen technischem Geschick die Bilder an die denkmalgeschützten Mauern gebracht hat.

      Es hat ja fast einen symbolischen Charakter, dass wir in dieser Trutzburg ausstellen, weil wir zur gleichen Zeit einen Ansturm der internationalen Avantgarde erleben, die in Berlin ihr Hauptquatier aufgeschlagen hat.
      An 5 Orten rund um den Monbijou -Park wird vorgeführt, was angesagt ist, und vieles lässt darauf schließen, dass das Bildermalen obsolet bzw. überflüssig geworden ist.
Das Malen und Zeichnen ist ja zu allen Zeiten ein mühsamer, arbeitsintensiver Akt gewesen. Infolgedessen müsste man der anstürmenden Avantgarde im Grunde dankbar sein, dass sie uns von dieser Mühsal befreien will.
      Wir, das sind SOOKI und ich, Matthias Koeppel, haben uns von diesem Trend nicht mitreißen lassen.
Uns sitzt der Spruch von Adolf v. Menzel im Hinterkopf: "Genie ist Fleiß". Das Genie lassen wir mal außen vor, aber das mit dem Fleiß stimmt.
      Ob wir nun modern oder unmodern sind, mögen die Kunstideologen entscheiden. In jeden Fall sind wir zeitgenössisch und reflektieren in unserer Malerei die Phänomene der sichtbaren und vielleicht auch der unsichtbaren Gegenwart.
      Wie unterschiedlich man sich einen Begriff von dieser Welt machen kann, haben wir zum Thema dieser Ausstellung gemacht: Doppelblick - oder: Wenn zwei das Selbe sehen, ist es nicht das Gleiche. Wir haben nicht gezielt hin auf dieses Thema gearbeitet.
Wir haben vielmehr zu unserem eigenen Erstaunen bzw. Amüsement bemerkt, wie wenig objektiv, ja oft sogar komisch unsere gestalterischen Ansätze sind, wenn man sie vergleicht.
      Die einfachste und selbstverständlichste Form des doppelten Blicks ist die Situation beim Malen vorm Motiv. Wenn die Rapsfelder blühen, erleben wir es immer wieder von Neuem: Das Motiv ist entdeckt, die Feldstaffeleien werden aufgebaut, dicht bei einander. Entscheidungen müssen getroffen werden: Ausschnitt oder Totale, Fluchtpunkt in Augenhöhe oder niedriger, z.B. eine Froschperspektive. Ich neige zum niedrigen Fluchtpunkt, SOOKI zum höhergelegenen, was psychologieversessene Kunst-Deuter sofort erklären können: "Da siehste mal, wie er von seiner Frau unterdrückt wird".
      Die zweite Möglichkeit des verdoppelten Blicks, ist die gemeinsame Entwicklung eines Gedankens, der durch ein Ereignis ausgelöst wurde. Beispiel: das Jüngste Gericht. Wir hatten auf einer Italienreise die einmalige Gelegenheit, in Orvieto aus nähester Nähe die Restaurierung des Jüngsten Gerichts des Luca Signorelli beobachten zu können. Das löste eine Flut von Gedankengängen aus, die um dieses ewige Thema kreisten.
      SOOKI stellte sich selbst als fotografierende Gegenwartsperson den renaissance- geprägten Höllenfiguren gegenüber, was mich nun z. B. wieder reizte, das ganze Geschehen unerbittlich in die Gegenwart und zwar ans Brandenburger Tor zu verlegen, ein Anlass für großes Theater - vielleicht auch nur eine inszenierte Show von RTL auf der Suche nach einem neuen Superstar.
      Um die gedankliche Zusammenarbeit sichtbar werden zu lassen, übernehmen wir gegenseitig Bildzitate, die oft erst auf den zweiten Blick zu finden sind. Eine besondere Form des "doppelten" Blicks ist die gemeinsame Arbeit an einem Bild, sozusagen eine Ausnahme-Situation.
Die "Bergpredigt" ein Auftragswerk für das Domkapitel der Brandenburgischen Kirche musste weitgehend nach mehr oder weniger guten Porträt- Fotos hergestellt werden, und da war es sehr hilfreich, dass man sich gegenseitig solange korrigierte und verbesserte, bis die optimale Porträt- Ähnlichkeit erreicht war. Ein weites Feld für doppelt Erblicktes sind gemeinsame Reisen. Die Sommerfrische verbringen wir häufig an der Nordsee. Dünen- und Wattlandschaften haben wir dort zum Thema gemacht - und natürlich den unverhältnismäßigen Kult um die Seehunde, die wie vollgestopfte Säcke träge auf den Sandbänken herum liegen, und deren dösender Blick als eine Art beglückendes Naturwunder empfunden wird.
      Und wenn wir mal eine sogenannte Bildungsreise machen, dann wird das Zeichnen und Malen vor Ort eine Schwerstarbeit und eine logistische Herausforderung. Man muss mit den Besichtigungskolonnen Schritt halten und sich alle möglichen Kommentare gefallen lassen.
      Als wir im vergangen Jahr auf unserer Ägypten-Reise bei sengender Sonne die Pyramiden von Gizeh zeichneten, bedauerten uns Touristen aus aller Welt: Die Armen, die müssen alles abzeichnen, weil sie sich wohl keinen Fotoapparat leisten können. Aber auf den Unterschied zwischen einem Foto und einer vor Ort entstandenen Zeichnung, will ich hier nicht eingehen. Ein zu weites Feld...
      Dass unsere Erlebnisse beiläufig auch literarische Konsequenzen haben, führt SOOKI vor, indem sie vielen ihrer Bilder Schriftzeichen eines ihrer Gedichte hinzufügt.
      Für mich hat die Ägyptenreise, die wir ja im großen Raum als "Installation" ausführlicher ausgebreitet haben, neben der Bewunderung für die jahrtausende alte Hochkultur auch Fragen aufgeworfen: Ist es recht, dass man das Tal der Könige, das ja ein riesiger Pharaonenfriedhof ist, den lärmenden Touristen überlässt? Und auf der Nil-Kreuzfahrt haben wir festgestellt, dass es keine Nil - Krokodile mehr gibt. Diese Probleme habe ich in einem starckdeutschen Gedicht zusammengefasst, dass ich Ihnen jetzt zum Schluss vortragen möchte:

Diss Niunul-Kriaukidul

Niunul-Kriaukidul,
duine Heumarrt warr drr Nul,
ont di hutt monn dür genummen,
Krautzzpfahrtzschöffe snd gekummen,
wu pbüst tu jitzzt hünngeschummen?
Kümmnt zeröckk ühr Kraukidulen,
künnt uich di Tourastn hulen!
Krauchult narcht´z ünn di Karbunen,
wu se zwöschnzoitlich wuhnen.
Schnauppdt se uich, ont schlockkt se rontur,
ont dnn daucht ühr wüdar ontur.
Harbpt ühr dnn nüxx möhr ze fraszen,
mößßt ühr korz dnn Nul varlaßßzen,
kraucht ünz Tarll drr Keunigken,
krauchult ünn di steunigen,
sargkuphagen Kartakumpbn,
fraßßßt di korzbehusten tumben,
Grabbisruh mößßauchtenden
ont arrschruckken flauchtenden
Tui-Nackurmonn-Tourasten.
Darnack mößßt ühr urstmall pfaßßten.
Dönn harscht wüdar Taudttenschtülle
ünn drr Keunigks-Tarll- Üdylle.
Ont monn wurtit nuch nen Tagg,
dönn kimmt auch dörr Mubarrack.

Matthias Koeppel und SOOKI

Doppelblick

Ausstellungssäle Bastion Kronprinz
Zitadelle
Am Juliusturm 64
13599 Berlin

Telefon: 030 / 354 944 -0
Email: info@zitadelle-spandau.de
http://www.zitadelle-spandau.de/index.html

Eröffnung: am Sonntag, den 12.Juni 2011 um 11.30 Uhr

Dauer der Ausstellung: 13. Juni bis 4.September 2011

Öffnungzeiten: Montag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Führungen: Matthias Koeppel führt durch die Ausstellung,
jeden Sonntag 11 Uhr, Eintritt frei

Die Künstler SOOKI und Matthias Koeppel finden seit anderthalb Jahrzehnten Anlässe, um für beide interessante Motive malerisch umzusetzen.
Landschaften und Großstadtszenarien, die sie auf gemeinsamen Reisen entdecken, aber auch die Auseinandersetzung mit anderen Themen wie "Das Jüngste Gericht" können Anlass für den doppelten Blick sein. Die Ausstellung zeigt von 100 Arbeiten der beiden Künstler.
SOOKI lässt Anklänge an ostasiatische Traditionen in ihren Bildern aufleuchten. Matthias Koeppel, Mitbegründer der "Schule der Neuen Prächtigkeit", ist dem kritischen Berliner Realismus verpflichtet.

Führung: Sonntag, 19. Juni 12.00 Uhr, die Künstler werden die Führung begleiten.
Die Führung wird vom International Club Berlin e.V. angeboten, dort können Sie sich bis zum 10. Juni verbindlich anmelden.

International Club Berlin e.V.
Thüringer Allee 5-11
14052 Berlin
Telefon 030/30 67 22 0

http://www.ic-b.de/de/events/calendar/koeppel.html



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